Opportunitätskosten

OPEX-Lexikon

Opportunitätskosten sind der entgangene Nutzen der besten Alternative, auf die man verzichtet, wenn man sich für etwas anderes entscheidet. Andere Namen dafür sind Alternativkosten, Verzichtskosten und Schattenpreis.

In der Kosten- und Leistungsrechnung tauchen sie nicht auf, weil ihnen keine Zahlung gegenübersteht. Sie sind ein ökonomisches Konzept, mit dem sich der Preis einer Entscheidung beziffern lässt. Wer eine Maschine für Produkt A belegt, kann sie im selben Zeitraum nicht für Produkt B belegen. Was Produkt B eingebracht hätte, sind die Opportunitätskosten von A.

Die Formel

Opportunitätskosten = Nutzen der besten nicht gewählten Alternative minus Nutzen der gewählten Alternative.

In der betrieblichen Praxis wird der Nutzen meist als Deckungsbeitrag gerechnet. Ist eine Ressource knapp, wird der Deckungsbeitrag auf diese Ressource bezogen, also je Maschinenstunde, je Mitarbeiterstunde oder je Quadratmeter Fläche. Diese Größe heißt relativer Deckungsbeitrag und ist die eigentlich entscheidende Zahl.

Ein Rechenbeispiel aus der Fertigung

Eine Engpassmaschine hat im Monat 100 freie Stunden. Zwei Aufträge stehen zur Wahl.

Produkt AProdukt B
Deckungsbeitrag je Stück60 €90 €
Maschinenzeit je Stück0,5 h1,0 h
Deckungsbeitrag je Maschinenstunde120 €90 €

Produkt B sieht je Stück attraktiver aus. Bezogen auf den Engpass bringt Produkt A jedoch 30 Euro je Stunde mehr. Wer die 100 Stunden mit Produkt B belegt, verzichtet auf 3.000 Euro Deckungsbeitrag. Genau das sind die Opportunitätskosten dieser Entscheidung.

Der Fehler in vielen Produktionsplanungen steckt in der ersten Zeile der Tabelle. Entschieden wird nach dem Deckungsbeitrag je Stück, obwohl die Maschine und nicht das Stück die knappe Größe ist.

Input- und outputbezogene Opportunitätskosten

Inputbezogen heißt, den Deckungsbeitrag auf den Einsatzfaktor zu beziehen: Arbeitsstunden, Maschinenstunden, Stück oder Tonnen. Das Ergebnis ist der relative Deckungsbeitrag aus dem Beispiel oben. Statt des Deckungsbeitrags lassen sich auch entgangene Umsätze, Marktanteile oder Kundenkontakte ansetzen. Durchgesetzt hat sich der Deckungsbeitrag, weil er sich zwischen Alternativen direkt vergleichen lässt.

Outputbezogen heißt, die Alternative am Ergebnis des Produktionsprozesses zu messen. Hier wird unterschieden zwischen Alternativkosten, also der Abweichung von der nächstbesten Alternative, und Optimalkosten, also der Abweichung vom optimalen Produktionsprogramm. Alternativkosten eignen sich für den Vergleich mehrerer Programme, Optimalkosten messen gegen das rechnerische Optimum.

Wo das Konzept angewendet wird

Betriebswirtschaftlich: Entscheidung über Zusatzaufträge, Ermittlung des optimalen Produktionsprogramms, opportunitätskostenorientierte Lenkpreise und in der Investitionsrechnung der Zinssatz einer vergleichbaren Alternativanlage, englisch opportunity cost of capital.

Volkswirtschaftlich: die Theorie der komparativen Kostenvorteile, die Transformationskurve und die Bewertung entgangenen Nutzens.

Eine Einschränkung gehört dazu. In vielen Fällen lassen sich Opportunitätskosten erst beziffern, wenn die Entscheidung gefallen und das Ergebnis bekannt ist. Dann ist die Rechnung eine Auswertung im Nachhinein und keine Entscheidungsgrundlage.

Warum das in der Produktion zählt

Die teuersten Opportunitätskosten in einem Werk stehen in keiner Kostenstelle. Sie entstehen an der Engpassmaschine, die für Rüsten stillsteht, an Beständen, die Kapital und Fläche binden, und an Durchlaufzeiten, die Aufträge kosten, weil der Kunde woanders schneller bedient wird. Sichtbar werden sie erst, wenn der Wertstrom aufgenommen und der Engpass benannt ist.

Mehr dazu unter Lean Management und auf der Themenseite Montage und Fertigung. Verwandte Begriffe im Lexikon: Engpass-Steuerung, Theory of Constraints und Bestände.

Häufige Fragen

Wie berechnet man Opportunitätskosten?

Man zieht den Nutzen der gewählten Alternative vom Nutzen der besten nicht gewählten Alternative ab. Ist eine Ressource knapp, wird der Nutzen als Deckungsbeitrag je Einheit dieser Ressource gerechnet, also je Maschinenstunde oder je Arbeitsstunde.

Sind Opportunitätskosten echte Kosten?

Nein. Es fließt kein Geld ab, deshalb erscheinen sie in keiner Buchhaltung und in keiner Kosten- und Leistungsrechnung. Sie sind eine Rechengröße, die den Wert der aufgegebenen Möglichkeit beziffert.

Was ist der Unterschied zwischen Alternativkosten und Optimalkosten?

Alternativkosten messen die Abweichung von der nächstbesten Alternative. Optimalkosten messen die Abweichung vom rechnerisch optimalen Produktionsprogramm. Optimalkosten sind damit immer mindestens so hoch wie die Alternativkosten.

Was ist ein Opportunitätserlös?

Der Gegenbegriff. Gemeint sind Kosten, die durch eine Entscheidung zusätzlich gerade nicht anfallen, also der eingesparte Aufwand einer Alternative.

Wo liegen Opportunitätskosten in einer Fertigung am höchsten?

Am Engpass. Jede Stunde, die die Engpassressource für Rüsten, Warten oder Nacharbeit verliert, ist eine Stunde Deckungsbeitrag, die im gesamten Werk fehlt und sich nicht nachholen lässt.

Zum Nachlesen: Opportunitätskosten bei Wikipedia.

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