Durchlaufzeit

OPEX-Lexikon

Die Durchlaufzeit ist die Zeit zwischen dem Anstoß eines Prozesses und dem Vorliegen seines Ergebnisses. In der Fertigung ist es die Zeit, die ein Werkstück vom Start bis zur Fertigstellung im System verbringt.

Nach REFA ist die Durchlaufzeit die Zeit, die eine Entität zum Durchlaufen eines Systems benötigt. Wie sie berechnet wird, hängt davon ab, welches System und welche Entität betrachtet werden. Die Auftragsdurchlaufzeit eines Produkts setzt sich aus den Zeitanteilen für eigengefertigte und fremdbeschaffte Teile zusammen, also aus Produktions-, Liefer- und Wiederbeschaffungszeiten.

Woraus sie sich zusammensetzt

AnteilWas passiertWertschöpfend
Bearbeitungszeitdas Teil wird verändertja
Rüstzeitdie Anlage wird eingerichtetnein
Transportzeitdas Teil wird bewegtnein
Liegezeitdas Teil wartet vor dem nächsten Arbeitsgangnein
Prüf- und Kontrollzeitdas Teil wird geprüftnein

In den meisten Fertigungen entfällt der weitaus größte Teil der Durchlaufzeit auf die Liegezeit. Das Teil wartet, es wird nicht bearbeitet. Genau deshalb bringt eine schnellere Maschine oft wenig, während eine andere Auftragsreihenfolge oder eine kleinere Losgröße sofort wirkt.

Die Formel

Zwischen Bestand und Durchlaufzeit besteht ein fester Zusammenhang, bekannt als Gesetz von Little:

Durchlaufzeit = Umlaufbestand geteilt durch Abgangsrate

Ein Beispiel: Zwischen zwei Arbeitsgängen liegen im Mittel 400 Teile, die Linie gibt 50 Teile je Stunde ab. Die Durchlaufzeit an dieser Stelle beträgt acht Stunden. Halbiert sich der Umlaufbestand auf 200 Teile, halbiert sich die Durchlaufzeit auf vier Stunden, ohne dass eine Maschine schneller läuft.

Diese Rechnung erklärt, warum Bestandsabbau und Zeitgewinn in der Fertigung dasselbe Thema sind. Je größer der Umlaufbestand in einer Prozesskette, desto länger die Durchlaufzeit.

Warum kurze Durchlaufzeiten zählen

Kurze Durchlaufzeiten binden weniger Kapital, brauchen weniger Fläche und machen Termine zusagefähig. Sie verkürzen außerdem die Zeit zwischen Fehlerentstehung und Fehlerentdeckung. Wer vierzehn Tage Bestand vor der Endkontrolle stehen hat, entdeckt einen Prozessfehler vierzehn Tage später, mit allem, was in dieser Zeit produziert wurde.

Die Produktionslogistik beschreibt den Material- und Informationsfluss vom Rohmateriallager über alle Stufen bis zum Fertigwarenlager. Ihr Ziel ist es, Transport-, Handlings- und Liegezeiten zu verringern, die Logistikkosten zu senken und die Flexibilität zu erhöhen.

Die wirksamen Hebel

Losgröße senken. Kleinere Lose bedeuten kürzere Warteschlangen. Möglich wird das über eine kürzere Rüstzeit.

Fluss herstellen. Arbeitsgänge verketten, Puffer begrenzen, nach dem Pull-Prinzip steuern, etwa mit Kanban.

Engpass entlasten. Vor dem Engpass staut sich der Bestand. Jede dort gewonnene Stunde verkürzt die Durchlaufzeit der gesamten Kette.

Reihenfolge glätten. Heijunka verhindert, dass große Blöcke gleicher Teile die Warteschlange aufbauen.

Wo genau die Zeit verloren geht, zeigt die Wertstromaufnahme. Das Vorgehen steht unter Wertstromdesign, der Zusammenhang unter Lean Management und auf der Themenseite Montage und Fertigung.

Häufige Fragen

Wie berechnet man die Durchlaufzeit?

Über das Gesetz von Little als Umlaufbestand geteilt durch Abgangsrate. Alternativ wird sie direkt gemessen, indem ein markiertes Werkstück vom Start bis zur Fertigstellung begleitet und die Zeit gestoppt wird.

Was ist der Unterschied zwischen Durchlaufzeit und Zykluszeit?

Die Zykluszeit ist der Abstand, in dem ein Prozess fertige Teile abgibt. Die Durchlaufzeit ist die Zeit, die ein einzelnes Teil im gesamten System verbringt. Ein Prozess mit einer Zykluszeit von einer Minute kann eine Durchlaufzeit von mehreren Tagen haben.

Warum ist die Durchlaufzeit so viel länger als die Bearbeitungszeit?

Weil Teile die meiste Zeit warten. Liegezeit vor dem nächsten Arbeitsgang macht in typischen Fertigungen den weitaus größten Anteil aus, die reine Bearbeitung oft nur wenige Prozent.

Wie lässt sich die Durchlaufzeit senken, ohne zu investieren?

Durch kleinere Lose, begrenzte Puffer, eine geglättete Auftragsreihenfolge und eine Steuerung nach Verbrauch. Diese Hebel wirken auf den Bestand und damit unmittelbar auf die Zeit.

Was hat die Durchlaufzeit mit der Termintreue zu tun?

Je kürzer sie ist, desto kürzer ist der Zeitraum, über den vorausgeplant werden muss. Kurze Durchlaufzeiten machen Zusagen belastbar, lange erzwingen Puffer und Eilaufträge.

Zum Nachlesen: Durchlaufzeit bei Wikipedia.

Weiterführend

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