Fertigungsablaufart

OPEX-Lexikon

Die Fertigungsablaufart beschreibt, wie Maschinen und Arbeitsplätze in einer Produktion räumlich und zeitlich angeordnet sind. Sie heißt auch Organisationstyp der Fertigung.

Die zweite Ordnungsebene daneben ist die Fertigungsart, die nach der Auflagengröße fragt. Ein Werk kann beide Ebenen frei kombinieren: eine Serienfertigung kann in der Werkstatt oder in der Linie organisiert sein.

Die sechs Organisationstypen

TypAnordnungPasst zu
Werkbankfertigungeine Station, eine Person oder Gruppe, von Anfang bis EndeEinzelstücke, kleine Serien, handwerkliche Arbeit
Werkstattfertigunggleichartige Verrichtungen räumlich zusammengefasst, das Teil wandertwechselnde Teile, hohe Flexibilität
ReihenfertigungArbeitsplätze in der Arbeitsfolge, ohne festen Taktmittlere Stückzahlen, schwankende Arbeitsinhalte
FließfertigungArbeitsfolge mit festem Takt, meist verkettethohe Stückzahlen, stabiler Arbeitsinhalt
Gruppen- oder Inselfertigungein Team fertigt eine Teilefamilie komplett in einer ZelleTeilefamilien mit ähnlichem Ablauf
Baustellenfertigungdas Produkt bleibt stehen, Menschen und Material kommen dazugroße, schwere oder ortsfeste Erzeugnisse

Die Typen im Einzelnen

Werkbankfertigung. Handwerkliche Arbeitsprozesse, überwiegend ohne Maschinenunterstützung, an einer Bearbeitungsstation von Anfang bis Ende. Ein zwangsläufiger Übergang zu anderen Arbeitsplätzen besteht nicht. Hergestellt werden meist Einzelstücke oder kleine Serien.

Werkstattfertigung. Betriebsmittel mit gleichen oder ähnlichen Verrichtungen stehen räumlich beieinander, daher auch Verrichtungsprinzip. Das Produkt wandert nach Ablaufplan durch die Werkstätten, etwa Schlosserei, Schweißerei oder Fräserei. Gewählt wird diese Form, wenn Art und Anzahl der Arbeitsobjekte häufig wechseln und Flexibilität zählt.

Reihenfertigung. Die Arbeitsplätze stehen bereits in der Reihenfolge der Arbeitsgänge. Gefördert wird jedoch noch losweise, eine feste Taktbindung gibt es nicht.

Fließfertigung. Die örtlich fortschreitende, zeitlich bestimmte und lückenlose Folge von Arbeitsgängen. Der Produktionsprozess bestimmt die Anordnung der Maschinen, die Objekte durchlaufen die Arbeitsplätze in dauernder Folge. Bei fester Verkettung muss die Taktzeit eingehalten werden.

Gruppen- oder Inselfertigung. Ein Team fertigt eine Teilefamilie in einer Zelle vollständig. Verantwortung und Qualitätsprüfung liegen im Team.

Baustellenfertigung. Das Erzeugnis bleibt am Ort, Personal, Werkzeug und Material werden herangeführt. Typisch im Anlagenbau und in der Bauwirtschaft.

Was die Wahl bestimmt

Ausschlaggebend sind Stückzahl, Variantenvielfalt, Teilegewicht und die Frage, wie stabil die Nachfrage ist. In der Praxis mischen sich die Typen: die Vorfertigung läuft in Werkstattorganisation, die Endmontage als Insel oder als Linie.

Für Durchlaufzeit und Bestand ist diese Zuordnung folgenreicher als jede Einzelmaßnahme an einer Maschine. Die Werkstattfertigung erzeugt Flexibilität und zugleich Liegezeit zwischen den Werkstätten. Die Linie erzeugt Fluss und zugleich Empfindlichkeit gegen Störungen und Variantenwechsel. Deshalb wird die Zuordnung im Wertstromdesign neu gedacht und nicht fortgeschrieben.

Mehr dazu unter Lean Management und auf der Themenseite Montage und Fertigung.

Häufige Fragen

Welche Fertigungsablaufarten gibt es?

Werkbankfertigung, Werkstattfertigung, Reihenfertigung, Fließfertigung, Gruppen- oder Inselfertigung und Baustellenfertigung.

Was ist der Unterschied zwischen Werkstatt- und Fließfertigung?

In der Werkstattfertigung stehen gleichartige Maschinen beieinander und das Teil wandert. In der Fließfertigung folgen die Arbeitsplätze der Arbeitsfolge und das Teil läuft in festem Takt durch.

Wann lohnt sich Inselfertigung?

Wenn sich Teile zu Familien mit ähnlichem Arbeitsablauf bündeln lassen. Dann fertigt ein Team die Familie komplett, Wege und Liegezeiten zwischen Werkstätten entfallen.

Was ist Reihenfertigung?

Die Arbeitsplätze stehen in der Reihenfolge der Arbeitsgänge, gefördert wird aber noch losweise und ohne festen Takt. Sie liegt damit zwischen Werkstatt- und Fließfertigung.

Welche Ablaufart hat die kürzeste Durchlaufzeit?

In der Regel die Fließfertigung, weil zwischen den Arbeitsgängen kaum Liegezeit entsteht. Sie setzt allerdings stabile Prozesse und geringe Variantenstreuung voraus.

Zum Nachlesen: Produktionsprozess bei Wikipedia.

Weiterführend

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