Kritizität

OPEX-Lexikon

Kritizität beschreibt, wie stark etwas gefährdet ist oder wie schwer eine Störung wiegt. Der Begriff wird in der Projektplanung, in der FMEA und in der Instandhaltung verwendet, jeweils mit einer eigenen Rechenweise.

Kritizität in der Netzplantechnik

In der Planungstechnik ist die Kritizität eine Kennzahl des Netzplans:

Kritizität = Anzahl der kritischen Vorgänge geteilt durch die Gesamtzahl der Vorgänge

Kritisch heißt hier: ohne Puffer. Jede Verzögerung an einem solchen Vorgang verschiebt den Endtermin. Je höher die Kritizität, desto mehr Vorgänge liegen auf dem kritischen Pfad und desto breiter ist die Termingefährdung, in der Folge meist auch die Kostengefährdung.

Ein Netzplan mit 200 Vorgängen, von denen 60 keinen Puffer haben, hat eine Kritizität von 0,3. Steigt dieser Wert im Projektverlauf, verliert die Planung ihre Reserve, auch wenn der Endtermin auf dem Papier noch steht.

Kritizität in der FMEA

In der Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse bewertet die Kritizität, wie schwer eine mögliche Fehlerfolge wiegt. Üblich ist das Produkt aus der Bedeutung der Fehlerfolge und der Auftretenswahrscheinlichkeit. Die bekanntere Risikoprioritätszahl nimmt zusätzlich die Entdeckungswahrscheinlichkeit hinzu.

Der Unterschied ist praktisch bedeutsam. Ein Fehler mit schwerer Folge bleibt kritisch, auch wenn er gut entdeckt wird. Wer nur nach der Risikoprioritätszahl sortiert, übersieht solche Fälle. Mehr dazu unter Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse.

Kritizität von Anlagen und Teilen

In der Instandhaltung und im Einkauf wird mit einer Kritizitätsanalyse eingeordnet, welche Anlage oder welches Teil im Störfall den größten Schaden verursacht. Bewertet werden typischerweise die Wirkung auf die Liefertreue, auf Sicherheit und Umwelt, die Wiederbeschaffungszeit und die Frage, ob es eine Ausweichlösung gibt.

Daraus folgen die Entscheidungen, die im Alltag zählen: wo vorbeugende Instandhaltung lohnt, welche Ersatzteile auf Lager liegen und welcher Lieferant eine zweite Quelle braucht. Die Engpassbetrachtung aus der Theory of Constraints zeigt dabei, welche Anlage die gesamte Kette begrenzt.

Warum die Zahl allein nicht reicht

Kritizität ordnet. Sie erklärt nicht, warum ein Vorgang keinen Puffer hat oder warum eine Anlage ausfällt. Dafür braucht es die Ursachenarbeit, etwa mit dem Ursache-Wirkungs-Diagramm, und eine Führungsroutine, in der die abgeleiteten Maßnahmen nachgehalten werden. Wie das aussieht, steht unter Shopfloor Management.

Häufige Fragen

Wie wird die Kritizität im Netzplan berechnet?

Man teilt die Anzahl der kritischen Vorgänge durch die Gesamtzahl aller Vorgänge. Kritisch sind Vorgänge ohne Puffer, deren Verzögerung den Endtermin verschiebt.

Was sagt eine hohe Kritizität aus?

Dass ein großer Teil der Vorgänge keine Reserve hat. Die Planung reagiert dann empfindlich auf jede Störung, Termine und Kosten sind entsprechend gefährdet.

Was ist der Unterschied zwischen Kritizität und Risikoprioritätszahl?

Die Kritizität bildet in der FMEA meist Bedeutung mal Auftreten ab. Die Risikoprioritätszahl multipliziert zusätzlich die Entdeckungswahrscheinlichkeit. Eine schwere Fehlerfolge bleibt kritisch, auch wenn sie zuverlässig entdeckt wird.

Wozu dient eine Kritizitätsanalyse von Anlagen?

Sie ordnet Anlagen und Teile danach, welchen Schaden ein Ausfall anrichtet. Daraus ergibt sich, wo vorbeugende Instandhaltung, Ersatzteilbevorratung und eine zweite Bezugsquelle sinnvoll sind.

Quelle Netzplantechnik: GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement

Weiterführend

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